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Kurzanleitung für einen einfachen Linolschnitt

© für alle Texte und Abbildungen bei Drucken & Lernen


Die Bilder vergrößern sich durch Anklicken.

 

Der Linolschnitt

war früher in der Druckerei das probate Mittel für die Herstellung eines großen Schriftzuges, eines großen Motivs und einer Ton-Fläche. Da Material war günstig, die Form rasch hergestellt und druckbereit. Ein Linolschnitt hielt bei ordentlichem Umgang viele tausend Drucke aus.


Heute nutzen wir diese Technik fast ausschließlich in pädagogischen und künstlerischen Anwendungen. Alle Vorzüge sind erhalten geblieben: günstiges Material, rasche Ergebnisse. Und brauchen wir heute auch nicht mehr die großen Auflagen, so ist ein gelungener Linolschnitt bei richtiger Lagerung über viele Jahre immer wieder einsetzbar.

 

 

Was wir brauchen

Hier ist als Werkzeug der „Kleine Satz“ mit den vier Grundwerkzeugen zu sehen.

Material:

- ein Motiv

- eine Linoleumplatte

- ein Gaisfuß oder Rilleisen, ein Hohleisen,

  ein Messer

- Druckfarbe und Walze

- einen Löffel oder eine einfache Presse

  zum Drucken

- Papier


Für den Anfang empfiehlt sich der „Weißlinienschnitt“ oder eine einfach flächige Form. Beides wird hier gezeigt.


 

 

Was wir nicht brauchen!

Der klassische „Wundschnellverband“.

Hektik, Nervosität, Aggression.

Wenn Sie mit einer Kindergruppe arbeiten, muss diese vorher zur Ruhe gekommen sein. Nie nach Rennen und Herumtollen direkt ins Schneiden übergehen. Dann wird halt erstmal was gelesen, die zu illustrierende Geschichte ausgedacht oder besprochen. Wer trotzdem mit dem Werkzeug außerhalb des Linoleums herumfuchtelt muss ausgeschlossen werden!

Und wenn Sie selber schon den fünfzehnten Kaffee in sich haben, und mal eben schnell was schneiden wollen, dann legen Sie die Pflaster gleich mit auf den Tisch.

Das schadet übrigens nie. Wer das Verbandsmaterial zuerst holt, erkärt und deutlich sichtbar auf dem Arbeitstisch belässt, der wird wenig zu pflastern haben.


 

Die Platte

Linolplatte mit Jutegewebe-Rückseite, während des Schnittes auf dem Tisch beweglich halten.

Wir benutzen das braune „Künstler-Linoleum“, was neben der erforderlichen Weichheit auch durch Fehlen von Kreiden und Mineralien in der Masse unsere Werkzeuge schont.

Ich empfehle das Arbeiten auf dem flachen Tisch, ohne Tischdecke und Arbeitsplatte.

Während des Schneidens zeige ich Ihnen den Grund.


Motivübertragung erfolgt ganz nach belieben:

- mit einem Bleistift oder schwarzen Filzer wird

  das Motiv direkt gespiegelt aufgemalt

- man zeichnet die Kontur einer Zeichnung mit

  einem weichen Bleistift kräftig nach

  und reibt dieses Graphit auf eine geweißte

  Linoleumplatte ab

- man drückt das Motiv durch nachmalen mit

  einem Kohlepapier auf die Platte durch

- man klatscht eine Fotokopie mit Azeton vorsichtig auf die Linolplatte ab

  (Letzteres nicht für die Arbeit mit kleinen Kindern geeignet!) 


 

Konturschneiden

Konturschnitt vorsichtig bis in den Eckpunkt hinein.

Für den Weißlinien- oder Formschnitt müssen wir zuerst außen an unserer geplanten Druckform entlangschneiden (hier im Bild als hellere Linie um das Motiv erkennbar).

Hierfür wähle man als Messer einen Gaisfuß oder ein Rilleisen (1-2mm Klingenbreite).


Bedingung für einen sicheren Schnitt ist natürlich, dass möglichst immer vom Körper und von den Fingern weg gearbeitet wird. Rechnen Sie einfach damit, dass Sie auch mal mit dem Werkzeug abrutschen. Und die Körperstelle, die Sie dabei perforieren, können Sie ja vorher auswählen.

 

Schnittrichtung beibehalten

Gegenschnitt der anderen Flanke entlang

Das Auflegen der Linolplatte direkt auf den Arbeitstisch hat den Vorteil, dass Sie durch einfaches Drehen des Linoleums immer ungefähr die gleiche Schnittrichtung einhalten können und so sicher arbeiten. Beim Arbeiten gegen die Kante einer Arbeitsplatte oder auf einer rutschhemmenden Tischauflage wandert beim Schneiden zwangsweise die Messerspitze um die Form und zeigt immer wieder auf die sichernde Hand.


 

Eckschnitt

Nah dran am Eckschnitt.

Wenn Sie eine Ecke schneiden (siehe letzte Fotos), dann enden Sie den ersten Schnitt exakt in der Eckspitze, ohne den Linoleumspan auszuheben. Schneiden Sie nun von der anderen Flanke der Ecke ebenfalls in die Spitze ein, dann fällt der Span von selbst heraus. Schneiden „in die Ecke“ ist zwar sauber, aber gefährlich, da ein Abgleiten unschöne Schmauchspuren in der Form hinterlässt. Deshalb auf den letzten Millimetern die Schneidegeschwindigkeit nochmal drastisch reduzieren und die Klinge in der Arbeitstiefe im Linoleum belassen, nicht anheben!

 

Rundschnitt

Die Klinge wird „gelenkt“,

Auch das Schneiden von kleinsten Rundungen, hier dem Auge, ist durch die Plattenbewegung kein Problem. Sie setzen Ihr Messer in die richtige Schneidrichtung und -tiefe ein und drehen die Platte gegen die Klinge. Jetzt müssen Sie nur noch im Schnittverlauf eine kleine Korrekturbewegung mit dem Messer ausführen, um eine perfekte Rundform zu erhalten.


 

Andruck

Zart eingefärbt reicht aus.

Wenn Sie der Meinung sind, alles notwendige zu Formdefinition weggeschnitten zu haben, dann können Sie einen Andruck wagen. Walzen Sie eine kleine Farbmenge mit Ihrer Handwalze auf einer Farbplatte/glatten Fläche so aus, dass ein dünner gleichmäßiger Farbfilm entsteht. Diesen übertragen Sie dann auf Ihre Linoleumplatte. Die Farbmenge darf ruhig deutlich geringer sein als beim späteren Druck. Wir wollen ja nur mal schauen.

 

Der Abzug

Der erste An- und Eindruck.

Drucken Sie nun Ihr erstes Blatt, indem Sie es gegen das eingefärbte Linoleum pressen. Das Foto zeigt eine alte Andruckpresse in Aktion, eine Abziehpresse führt zu gleich guten Ergebnissen. Mit der „Nudel“ geht das auch, nur werden durch Filzbezug und begrenztes Druckgewicht keine saftigen und gleichzeitig strukturierten Flächen zu erzielen sein. Wenn Sie einen (Suppen-)Löffel nehmen, dann legen Sie Ihren Druckbogen vorsichtig ohne seitliche Verschiebung auf und reiben mit der Löffelunterseite in kreisenden Bewegungen die Form ab. Sie können ruhig hin und wieder eine Ecke zur Kontrolle abheben und schauen, ob es gelungen ist. Solange der größere Teil des Blattes mit der Form verbunden bleibt, können Sie den kontrollierten Teil wieder standgenau zurückstreichen.

 

Prüfung

Je weniger Farbe, desto weniger Wischerei

Dieser Abzug offenbart, dass eine Schnittlinie im Rücken der Figur vergessen wurde. Der Farbunterschied in der Innenfläche der Figur zur Umgebung entsteht durch geringere Farbannahme der Platte an den Stellen, wo die Vorzeichnung aufgemalt war. Das gibt sich nach ein paar Drucken, spätestens nach dem ersten Waschen.



 

 

 

Korrektur

Vorsichtiger Nachschnitt der Rückenlinie.

Die Platte kann nur bei kleinen Korrekturen direkt in der Presse verbessert werden, sonst lieber außerhalb nacharbeiten und den Nächsten drucken lassen.

Man sieht hier gut, warum ich bei Vorführungen mit diesen langen Werkzeugen arbeite: die Leute wollen das Schneiden sehen, nicht nur meine Finger.

 

Zweiter Andruck

Der zweite Andruck ist deutlicher,

Der zweite Andruck zeigt uns, dass die Kontur jetzt komplett ist.


Was wir hier sehen ist der klassische „Weißlinienschnitt“. Wir haben das Bild in die Platte graviert und sehen das Negativ der Motiv-Zeichnung vom Anfang.

Das könnte schon das Ergebnis sein, wir schneiden allerdings weiter. Denn unser Ziel ist das Motiv freistehend auf den Papierhintergrund zu drucken.

 

 

 

Konturerweiterung

Kontur nach außen erweitert,

Jetzt kommt das kleine Hohleisen (3mm Klingenbreite) in Einsatz. Wir erweitern die Kontur durch Nachschnitt und Zweitschnitt der bestehenden Kontur an der motivfernen Seite. So wird die Luft um das Motiv größer, und mit etwas Planung bleiben die gewünschten Bewegungslinien stehen.

 

 

 

 

 

 

Andruck der erweiterten Kontur.

Der hier gezeigte Andruck der Erweiterung ist nicht notwendig. Er soll nur dem besseren Verständnis der Arbeitsabläufe dienen. 


 

 

 

 

 

 

Freischnitt

Alles Überflüssige ist entfernt.

Das große Hohleisen (6mm Klingenbreite) nimmt uns die überflüssige Fläche in großen Stücken weg. Auch hier ist weder Kraft noch Geschwindigkeit gefragt, am besten kommen Sie mit ruhigen, fließenden Bewegungen voran. Wenn Sie das Jutegewebe freilegen sind Sie eindeutig zu weit gegangen. Eine flächige Materialwegnahme von einem Millimeter reicht völlig aus.


 

 

Ausschnitt

Ausgeschnitten.

Nehmen Sie jetzt eine robuste Schere und schneiden innerhalb der freigeschnittenen Fläche das Motiv aus. Der Abschnitt kann je nach Größe noch für weitere Schnitte oder Verzierungen dienen - auf keinen Fall gleich wegwerfen. Drucke entwickeln sich oft während des Arbeitens.



 

 

 

 

Andruck des fertigen Motivs

Angedruckt.

Der Andruck des fertigen Motivs ist der erste wirklich notwendige Abzug. Die vorherigen bleiben dem Schneider überlassen und dienen hier der Illustration des Vorganges.


Jetzt sehen wir neben dem herausgearbeiteten Bild eine Menge Linien. Das sind die erhabenen Reste unserer Messerspuren, die sich einen Teil der Farbe stibitzt haben. Ein Teil von ihnen ist gewollt, ein Teil erwünscht, und ein Teil störend.


 

Anzeichnung

Angezeichnet.

Nehmen Sie nun einen Stift, dessen Farbe sich von der Druckfarbe deutlich unterscheidet. Markieren Sie durch Umkreisen alle Bereiche, die Sie reduzieren oder entfernen wollen. Achtung: die Druckfarbe ist noch frisch!


Legen Sie dann den angezeichneten Bogen Kopf an Kopf oder Fuß an Fuß an die Linolplatte. Da Sie ja spiegelbildlich schneiden müssen ist somit wenigstens rechts rechts und links links.


 

 

 

Korrektur

Schon besser geworden.

Wenn Sie mit einem geeigneten Messer die störenden Überstände entfernt haben, drucken Sie erneut an. Den Vorgang Andruck-Anzeichnung-Korrektur werden Sie mehrfach machen müssen, um ein sauberes Ergebnis zu erzielen.

Denn wenn Sie die höchsten Störungen herausgeschnitten haben werden die zweithöchsten Reste sich bemühen, ihre Spuren zu hinterlassen.

 

 

 

 

Einfärben mit Streifen

Einfärbe-Streifen am Motiv.

Beim Einfärben mit der Handwalze kann durch Kippeln während des Farbauftrages Farbe an Stellen kommen, die eigentlich in Nudel und Presse gar nicht mitdrucken. Um schneller zu sehen, welche Stellen wirklich noch weggeschnitten werden müssen, können Sie oberhalb und unterhalb des Motivs Linoleumstreifen (Reste) auflegen und als Abstandhalter einsetzen. Rollen Sie dann bei der Farbgabe mit der Walze in Streifenlängsrichtung über das Motiv und entfernen vor dem Druck mit einem Messer

und spitzen Fingern die Streifen wieder.



 

 

 

Druck mit Streifen

Sechzehnzuneun.

Nur zum Spaß mal den Abdruck mit den Streifen. Da könnten jetzt natürlich auch Zierlinien oder Wolken oder Rasen eingeschnitten sein. Sie können auch getrennt stehende Motivteile separat mit einer anderen Farbe versehen und in einem Arbeitsgang zusammen drucken. Die Möglichkeiten wachsen spielerisch mit den versuchten Bildern.

 

 

 

 

Das Ergebnis

Fertig.

So sieht der fertige Schnitt aus.


Sie müssen nicht auf derart klare Flächen und einen satten Abdruck zielen. Wenn Sie einen Blick nach oben richten und den ersten Kontroll-Abdruck ansehen, dann erkennen Sie den Reiz der prorösen Fläche, die durch die Linoleum-Struktur lebt.

Und Farbe bringt eine ganze Menge. Schwarz war in dieser Anleitung Mittel der Wahl, um gut erkennbare Ergebnisse zu zeigen.


Viel Spaß beim selber ausprobieren!


 

 

 

Die Unterlage

Feineres Motiv auf einem oft benutzten Klebebrett.

Noch ein Tipp aus der Praxis:

bauen Sie sich ein Klebebrett. Um in Nudel, Abzieh- und Andruckpresse schnell und sauber arbeiten zu können, sollte das geschnittene Bild die gleiche Höhe wie der Text haben, also rund 23,6mm.

Man kann auf ein mit Klebefolie (Duplofol) versehenes Brett nacheinander verschiedene Linolschnitte aufdrücken und nach dem drucken wieder abziehen. Nur größere Stücke des Jutegewebes, die eventuell an den Schnittkanten der Platte abgehen und im Klebefilm haften bleiben, müssen entfernt werden. Sie drucken sonst bei der nächsten Form als Farbunterschied mit.

 

Das Brett

Spanplatte mit roter Klebefolie.

Besorgen Sie sich beim Schreiner Ihres Vertrauens eine Spanplatte, kunststoffbeschichtet, in der erforderlichen Größe und 19mm Dicke (das ist Standard).


Die Klebefolie

Auf eine Seite kleben Sie flächig eine doppelseitig klebenden Folie - z.B. Duplofol, kein Teppichklebeband! Schützen sie die Klebefläche vor Verschmutzung durch Drauflassen des Schutzfilms oder Aufdrücken einer Abklatschfolie.

Mit den 3,0 bis 3,2mm des Linoleums kommen wir jetzt schon auf 22,2 bis 22,4mm.

Achtung: die frische Klebefolie klebt extrem stark!

Ist die Klebkraft irgendwann verbraucht, wird die Folie vorsichtig an einer Ecke beginnend mit einem Fön warmgemacht und abgezogen. Dann eine Neue drauf - und weiter geht's.


Das Auffüttern

Legen Sie während des Druckes einfach noch einen Millimeter Zeichenkarton und Schreibmaschninenpapier unter das Brett, und Sie können sauber drucken. Vorsichtig Blatt für Blatt auffüttern, nicht zu viel auf einmal.

Um dauerhaft mit Linolschnitten und dem Brett zu arbeiten empfiehlt sich natürlich das Aufkleben von Papier- und Kartonbogen in Brettgröße auf der Unterseite (z.B. mit Sprühkleber). Wenn Sie die richtige Bretthöhe fixiert haben brauchen Sie sich nur noch ums Drucken zu kümmern.

Immer einen Bogen weniger Aufkleben als notwendig!

Unterfüttern geht, Unterlagenreduktion nicht.


Setzschiff drunter?

In unsere Pressen für den pädagogischen Bereich gehört die Druckform (das Brett mit dem Schnitt und der Satz) immer mit zugehörigem Setzschiff, in alte Buchdruckpressen und -nudeln immer ohne Setzschiff.




 

Lagerung

Reinigen Sie nach dem Drucken die Linolplatten je nach verwendeter Farbe mit Wasser oder einem öligen Lösungsmittel (z.B. Blau). Dann gut trocknen lassen. Feucht verpackte Platten können schimmeln.

Legen Sie die trockenen Linolschnitte in eine dicht schließende Kunststofftüte an einen dunklen und kühlen Ort. Nichts drauflegen, sonst entstehen durch die Druckstellen nichtdruckende Flecken.

Das Leinöl im Linoleum oxidiert langsam mit dem Luftsauerstoff und führt zu einer Härtung der Platte. In der Kunststofftüte verlangsamt sich dieser Prozess und Sie können noch nach Jahren ein schönes Motiv immer wieder drucken.




 

 




Die in diesen Hinweisen enthaltenen Vorschläge sind allgemeiner Natur und garantieren kein bestimmtes Ergebnis.

 

  zuletzt aktualisiert: 14.07.2011